900 Kundinnen und Kunden besucht
Im Berliner Nueva-Referenzprojekt wurden insgesamt 900 Kundinnen und Kunden von Wohnangeboten und Werkstätten in Berlin besucht. 50,8 % davon nahmen an einer Befragung oder Beobachtung durch das Nueva-Evaluationsteam teil. Das Projekt fand im Auftrag von 8 Trägerorganisationen mit finanzieller Unterstützung durch den Paritätischen Wohlfahrtsverband und unter wohlwollender Beobachtung von Politik und Verwaltung statt.
Im Jänner 2009 bezog das österreichische Evaluationsteam Quartier in Berlin und 8 Monate später, am 22. September wurden erste allgemeine Ergebnisse einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt.
Voll besetzter Saal im Schlösschen
Gut 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer - weit mehr als erwartet - konnten die kompetenten ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Altenselbsthilfe- und Beratungszentrum des Sozialnetzwerks Berlin e.V. nicht aus der Ruhe bringen. Frau Käte Tresenreuter, Vorsitzende und Gründerin, begrüßte die Gäste und lud im Anschluss zu allerlei Köstlichkeiten bei strahlendem Sonnenschein im Garten des „Schlösschens“ ein.
Selbsthilfe und Empowerment
Die Spastikerhilfe Berlin eG gehört zu den Ersten, die an diesem Projekt teilgenommen haben. Aus Sicht ihres Geschäftsführers, Herrn Georg Dudaschwili, entschloss man sich zur Teilnahme vor allem deshalb, „weil wir den in Nueva enthaltenen Selbsthilfe-Gedanken für uns als Spastikerhilfe immer schon als wichtig sehen. Das Instrument hat uns überzeugt. Die Auswertungen führten teilweise zu Überraschungen bei den Mitarbeitern. Wir hatten intensive Diskussionen und konnten schon jetzt einige Schlussfolgerungen für Veränderungen unseres Angebots daraus ziehen“, bilanziert er seine Erfahrungen aus dem Projekt.
„Unsere Kunden waren sehr davon angetan, dass jetzt extra jemand aus Österreich kommt, um sie zu Ihrer Meinung zu befragen“, erzählt Frau Bettina Blankmann von der Berliner STARThilfe e.V.. Anfängliche Ängste der Kundinnen und Kunden, dass sie möglicherweise die Fragen nicht verstehen könnten, waren nach den ersten Begegnungen schnell ausgeräumt und „sie waren sehr stolz darauf, dass sie mitgemacht haben.“
Diskussionen mit Kundinnen und Kunden als Experten
Für Frau Veronika Schürheck von der Lebenshilfe Berlin war die Festlegung der Korridore in den vorbereitenden Schulungen mit den Fachkräften sowie den Kundinnen und Kunden sehr spannend. „Besonders den Hinweis, dass wir aus Sicht der Befragten gucken müssen, fand ich wichtig. Jetzt geht es darum, was die Auswertungen uns sagen und was die nächsten Schritte für die Lebenshilfe sein werden“. Wichtig sei nun, dass „die Ergebnisse nicht unbeachtet in der Schublade verschwinden“, fordert Harald Siebert, UNIQ-Peer, in seinem Statement.
Frau Gabriela Bäumker von der aktion weitblick betreutes Wohnen gGmbH spricht an, dass die Mitarbeiter zu Beginn skeptisch waren. „Aber wir hatten den großen Vorteil, dass zwei unserer Kunden bei dem UNIQ Projekt als Peers dabei sind und daher die Nueva-Methode schon besser kannten. Sie haben uns bei den vorbereitenden Schulungen geholfen und die Diskussion mit ihnen für die Festlegung der Korridore war sehr gut.“
Personalentwicklung vor Ort
Für Herrn Georg Schnitzler, Geschäftsführer der Lebenshilfe Berlin, bietet Nueva auch Hilfe für Personalentwicklung: „Viele Fragen des Fragebogens berühren die Haltung der Mitarbeiter vor Ort“ und ein Kunde der Lebenshilfe bestätigt: „Mir hat schon die Schulung gut gefallen und ich bin neugierig auf die neuen Gespräche“, während sich eine andere Kundin darüber beschwert, dass sie bei diesem ersten Durchgang noch nicht dran gekommen sei und auch bald befragt werden möchte.
Transparenz und Vergleich
„Ich möchte die anderen Träger einladen, dass wir die Ergebnisse untereinander offen legen und benchmarken. Ich denke, wir sollten doch auch können, was Herr Forner kann“, regt Herr Georg Schnitzler an, und rennt damit bei Frau Sabine Wilden von der Albert Schweitzer Stiftung offene Türen ein. Auch sie plädiert für das Offenlegen der Ergebnisse. Frau Wilden dankt Herrn Reinald Purmann für seine Unterstützung dieses Projekts, alleine hätte man es als Albert Schweitzer Stiftung nicht schultern können. Sie betont weiters, dass die vorbereitenden Schulungen sehr gut angekommen seien.
„Ich wünsche mir, dass es über den Anfang hinaus geht, dass wir so wie Sie in Österreich einen Katalog in Berlin haben, wo die Menschen einen Überblick bekommen, was es gibt“, gibt Herr Stefan Zenker von der Starthilfe die Richtung für künftige Schritte in Berlin vor.
Damit stößt er bei Herrn Helmut Forner, Geschäftsführer der nbw und Vorstandsmitglied im Paritäter auf offene Ohren: „Dass ich ein Nueva-Fan bin, ist ja mittlerweile bekannt. Ich lade Sie ein, mit uns in gemeinsamen Gesprächen zu sehen, wie wir Nueva in Berlin aufbauen und umsetzen können.“
Nueva-Berlin gemeinsam umsetzen
Herr Reinald Purmann skizziert den Nutzen von Nueva aus zwei Perspektiven, einerseits der Perspektive der Qualitätsentwicklung, wofür sich der Paritäter verantwortlich fühle und andererseits der Perspektive der Kundenberatung auf der Basis transparenter Information über Berliner Angebote.
Aber diese Themen betreffen laut Purmann nicht nur die Behindertenhilfe, sondern auch die Pflege und die Betreuung alter Menschen. Es sei ein europäisches Ziel, die Nutzer von sozialen Dienstleistungen zu stärken und sie in die Bewertung und Qualitätsentwicklung von Diensten einzubeziehen.
Herr Purmann weist darauf hin, dass die Trägerschaft eines Berliner Nueva-Projekts neutral sein müsse und daher alle Träger eingeladen sind, „jeder soll mitmachen können“, um gemeinsam die Ausbildung von Berliner Nueva-Evaluatorinnen und Evaluatoren auf die Beine stellen zu können.
UNIQ Peers stellen klare Forderungen auf
Herr Harald Siebert, Herr Thomas Plischkovsky und Frau Nicole Thomas fordern, dass die Ergebnisse der Nueva-Evaluationen zu Veränderungen führen. Besonders wichtig ist aus ihrer Sicht, dass in den Auswertungsgesprächen mit den Kundinnen und Kunden „die Ergebnisse leicht verständlich präsentiert werden und Nueva Punkte heraus holt, wo etwas verändert werden sollte.“
„Wir wünschen uns, dass es gemeinsame Auswertungsgespräche mit uns und den Geschäftsführern gibt“, regen die UNIQ-Peers eine weitere Diskussionsmöglichkeit zwischen Anbietern und Nutzern an.
Aber es geht den UNIQ Peers nicht nur um Veränderungen im eigenen Wohnangebot oder der Werkstätte, sondern auch um Transparenz und Vergleichsmöglichkeiten: „Wir brauchen einen Katalog, der Überblick über die Angebote Berlins bietet und leicht verständlich gestaltet ist.“
Lesen Sie hier weiter, was die UNIQ-Peers aus Berlin zum Beruf der Nueva-Evaluatorinnen und Evaluatoren meinen.